Der Soziologe Max Weber (1864 - 1920) definiert in seinem Essay "Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft" (posthum veröffentlicht), worauf Macht und Herrschaft fußen.
– Definition von Herrschaft: "[Herrschaft ist] die Chance, Gehorsam für einen bestimmten Befehl zu finden" → Herrschaft beruht auf Fügsamkeit der Gehorchenden
– die drei reinen Formen der Herrschaft sind rational, traditional und affektuell; gewöhnlicherweise vermischen sich die Typen aber
– die drei reinen Formen der Herrschaft sind rational, traditional und affektuell; gewöhnlicherweise vermischen sich die Typen aber
Typ 1: Legale Herrschaft
– bürokratisch, der Verwaltungsstab sind Beamte; der Verwaltungsapparat dient der Aufrechterhaltung dieser Herrschaft
– es werden Regeln/Gesetzen/Satzungen gehorcht und nicht der Willkür einer Person
– Fachbeamte benötigen ausreichend Betriebsdisziplin, damit das System funktioniert
– nicht nur Staat ist gemeint, sondern auch die Hierachie in einem Betrieb oder einem Verein
– allgemein: Vertrag gilt als Basis dieses Typus
– Bürokratie ist der technischste Typ dieser Herrschaft
– der moderne Staat und das Beamtentum haben sich nach diesem Muster entwickelt
– Beispiele: Angela Merkel in Bezug auf Staat, Verhältnis vom Angestellten zum Chef in Bezug auf die bürokratische Herrschaft
Typ 2: Traditionelle Herrschaft
– der Glauben an vorhandene Ordnungen begründet die Herrschaft
– der Verwaltungsstab sind Diener, die Gehorchenden Untertanen
– "Inhalt der Befehle ist durch Traditionen gebunden"
– Herrscher kann nach "Lust und Laune", also Zuneigung, Abneigung, Willkür, handeln
– die Prinzipien sind mehr utilitaristischer, nicht mehr formaler Art wie bei Typ 1
– Amtspflicht und -disziplin sind nicht mehr von Bedeutung, sondern Dienertreue
– zwei Arten der Struktur:
1) patriarchale Struktur: völlige persönliche Abhängigkeit vom Herrscher, beispielsweise Sklaven, Herrscher kann komplett willkürlich handeln
2) ständische Struktur: Diener sind unabhängiger, besitzen "Garantien" als eine Art Rechtsgrund, Beispiel: Kind im Verhältnis zum Familienoberhaupt (Gesetz: man darf das Kind nicht töten, misshandeln o.ä., Willkür: man kann es wie man möchte erziehen), ist der legalen Herrschaft näher, da es trotz Abhängigkeit doch gewisse Rechte gibt (Schornsteinfeger darf nicht nach Belieben ausgewählt werden)
Typ 3: Charismatische Herrschaft
– Hingabe der Bevölkerung an die Person → Held, Prophet..
– "Führer" genannt, die Gehorchenden "Jünger"
– Herrschaft ist labiler, kann vergehen, Beispiel: "Gott hat ihn verlassen"
– auch der Verwaltungsstab wird nach Sympathien ausgesucht
– es gibt weder den rationalen Begriff der "Kompetenz" wie bei Typ 1, noch den ständischen Begriff "Privileg" wie bei Typ 2 → Entscheidungen gelten als "irrational", es wird von Fall zu Fall entschieden
– die Rechtsweisung basiert auf Vertrauen/Glauben, Anerkennung und Glauben der Bevölkerung gelten als Pflicht
– größte Gefahr stellt die Konkurrenz durch einen anderen charismatischen Führer dar
– Untertanen brauchen Wunder/Erfolge für den Weiterbestand dieser Art von Herrschaft
– der Herr ist dem Einzelnen gegenüber stärker, dem Kollektiv gegenüber aber der Schwächere
– die charismatische Herrschaft ist nicht üblich, die Herrschaft geht gewöhnlich mit dem Herrscher unter; bei Kontinuität tendiert sie aber dazu, sich zu "veralltäglichen" → geht somit über in die traditionelle Herrschaft
– großes Problem ist das Finden eines geeigneten Nachfolgers: a) man sucht jemanden mit gleichen Merkmalen (Dalai Lama, Papst), b) es entscheidet das Orakel oder Los, c) Herrscher selbst sucht den Nachfolger, d) die Gefolgschaft sucht den Nachfolger, e) Erbnachfolge (hat sich nur im westlichen Mittelalter und Japan durchgesetzt → Glaube gilt somit der Dynastie, nicht nur einer Person), f) durch Riten wie sakramentale Akte (Hände auflegen, Salbung...)
– These: der Herrscher agiert zwar autoritär, ist aber eigentlich anti-autoritär, da er von den Sympathien der Beherrschten abhängig ist → deren Anerkennung ist die Voraussetzung der Legitimität
– außerdem: es gibt auch noch die "illegitime Herrschaft", die durch Gewalt erlangt wird/Zwangsherrschaft durch Tyrannen oder Gangsterbosse
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