Tuesday, July 24, 2012

E.L. James - Fifty Shades Darker


Bewertung: 4 von 9 Punkten


Die Fortsetzung des Mega-Bestsellers


Inhalt
Anastasia Steele hat endlich die Notbremse gezogen und Christian Grey verlassen. Doch beide können nicht ohne einander und so finden sie nach kürzester Zeit wieder zusammen. In genau dem Moment, in dem sich alles zu bessern scheint, wird Christians Glück jedoch von seiner nicht ruhenden Vergangenheit ins Straucheln gebracht...


Kritik
Während der Vorgänger „Fifty Shades of Grey“ noch zu unterhalten wusste, fesselt der zweite Teil den Leser kaum noch.
Fangen wir bei der unglaubwürdigen Figurenkonstellation an. Christian ist mit Ana zusammen, Christians Bruder ist mit Anas bester Freundin Kate zusammen und jetzt verlieben sich zu allem Überfluß auch noch Kates Bruder und Christians Schwester. Ernsthaft? Das wirkt noch inzestuöser und absurder, als sich Josh Schwartz (wir erinnern uns: „O.C., California“ und „Gossip Girl“) das jemals ausdenken könnte. Und natürlich, wie könnte es anders sein, sind alle Protagonisten bildhübsch. Auch die Nebenfiguren stehen ihnen im Nichts nach, sei es José, Elena oder gar die Ehefrau des Therapeuten. Alle sind bildhübsch. Sehr, sehr hübsch. Bildhübsch.
Nerven euch die Wiederholungen? Mich auch. Wo wir beim eigentlichen Knackpunkt von „Fifty Shades Darker“ wären. Wie unrealistisch auch die Charakterschreibungen sind und wie überkonstruiert sämtliche Handlungen wirken könnte man darüber noch hinwegsehen – wir wissen ja, wir lesen hier kein Werk von Thomas Mann – wenn zumindest die Sprache ein bißchen besser wäre. Was im ersten Band noch nicht so auffiel, macht diesen Teil zu einem langwierigen Leseerlebnis. Andauernd wird das gleiche Vokabular verwendet, wiederholt, wiederholt, wiederholt. Der Sex, der zuvor schon nur mäßig sexy war und oft eher merkwürdig anatomisch anmutete verkommt hier zu einem langweiligen Abklatsch von „Fifty Shades of Grey“. Es dominiert nicht mehr Christian, es dominiert das Gähnen. Sämtliche Liebesszenen, seien es Sexszenen, die unendlichen Liebesschwüre oder die nie abbrechen wollenden Beobachtungen von Anastasia, wie wundertoll ihr Christian doch ist, folgen inhaltlich immer der gleichen Struktur und nerven durch diese endlosen Wiederholungen. Das kann ja heiter werden für Teil drei.

Da die inneren Dämonen Greys, die immer noch interessanteste Storyline, inzwischen halbwegs unter Kontrolle sind, muss unser Pärchen ganz à la Möchtegern-„Romeo und Julia“ jetzt Widrigkeiten von außen überstehen. Die mehreren Episoden – die Ex, die sie verfolgt, der zudringliche Chef, Christians Unfall – sind nicht von einem roten Faden durchzogen, sondern aneinandergereiht, ohne dass man später den Einfluß von dem vorangegangenen Vorfall erleben würde. Hier merkt man mehr denn je, dass die Trilogie ursprünglich als Fanfiction ausgelegt war. Die wenigen dramaturgischen Höhepunkte, die es gibt, wie zum Beispiel die Konfrontation zwischen Christian und seiner Mutter gegen Ende des Romans, werden gerne übergangen, so wird man in diesem Fall der Konfrontation nicht Zeuge der Szene, sondern muss sie sich vorstellen. Und die eben erwähnten „spannungsgeladenen“ Handlungsstränge wirken konstruiert und stümperisch. Das geht schon ganz zu Beginn los. Wenn ich vor wenigen Tagen meinen Freund verlassen habe und darunter leide wie Anastasia es zu tun scheint, dann fliege ich nicht mit ihm in seinem Helikopter durch die Gegend, egal, wie weit Seattle und Portland voneinander entfernt sein mögen. Hätte es nicht eine subtilere Art gegeben, die beiden wieder zusammenzuführen?
Die Episode um den widerlichen Chef Anastasias, der sie in Bedrängnis bringt, ist die mit Abstand beste. Sie ist am realistischsten und endlich ist Ana mal die Überlegene, die sich selbst helfen kann. Die Handlung um Christians Stalker-Ex hingegen ist in keinster Weise spannend, die Auflösung selbst umso dämlicher und auch bei Christians Unfall schafft es E.L. James nicht, Empathie für die angstvolle Familie zu erwecken.

Vor allem jedoch das Gerede von Heirat, Kinder kriegen, Haus kaufen nach so kurzer Zeit wirkt absolut deplatziert. Kann man nicht die „wahre Liebe“ gefunden haben, ohne nach einem Monat gleich heiraten zu wollen? Inmitten dieser ach so anrüchigen Sexphantasien sind das erstaunlich biedere und spießige Gedanken.


Fazit
Mit noch mehr Wohlwollen und zugedrückten Augen als bei Teil eins vergebe ich hier vier Punkte. Einerseits bin ich immer noch nicht abgeschreckt genug und werde mir den dritten Band anschaffen – irgendwann. Andererseits brauche ich für die Rezension eben diesen noch Platz nach unten.

I'm drawn, Icarus to his sun. I've been burned already, and yet here I am again.


Ursprünglich geschrieben für und veröffentlicht auf myFanbase.de

Rezension zu Teil 1, Fifty Shades of Grey

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