Bewertung: 4 von 9 Punkten
Die
Fortsetzung des Mega-Bestsellers
Inhalt
Anastasia
Steele hat endlich die Notbremse gezogen und Christian Grey
verlassen. Doch beide können nicht ohne einander und so finden sie
nach kürzester Zeit wieder zusammen. In genau dem Moment, in dem
sich alles zu bessern scheint, wird Christians Glück jedoch von
seiner nicht ruhenden Vergangenheit ins Straucheln gebracht...
Kritik
Während der
Vorgänger „Fifty Shades of Grey“ noch zu unterhalten wusste,
fesselt der zweite Teil den Leser kaum noch.
Fangen wir
bei der unglaubwürdigen Figurenkonstellation an. Christian ist mit
Ana zusammen, Christians Bruder ist mit Anas bester Freundin Kate
zusammen und jetzt verlieben sich zu allem Überfluß auch noch Kates
Bruder und Christians Schwester. Ernsthaft? Das wirkt noch
inzestuöser und absurder, als sich Josh Schwartz (wir erinnern uns:
„O.C., California“ und „Gossip Girl“) das jemals ausdenken
könnte. Und natürlich, wie könnte es anders sein, sind alle
Protagonisten bildhübsch. Auch die Nebenfiguren stehen ihnen im
Nichts nach, sei es José, Elena oder gar die Ehefrau des
Therapeuten. Alle sind bildhübsch. Sehr, sehr hübsch. Bildhübsch.
Nerven euch
die Wiederholungen? Mich auch. Wo wir beim eigentlichen Knackpunkt
von „Fifty Shades Darker“ wären. Wie unrealistisch auch die
Charakterschreibungen sind und wie überkonstruiert sämtliche
Handlungen wirken könnte man darüber noch hinwegsehen – wir
wissen ja, wir lesen hier kein Werk von Thomas Mann – wenn
zumindest die Sprache ein bißchen besser wäre. Was im ersten Band
noch nicht so auffiel, macht diesen Teil zu einem langwierigen
Leseerlebnis. Andauernd wird das gleiche Vokabular verwendet,
wiederholt, wiederholt, wiederholt. Der Sex, der zuvor schon nur
mäßig sexy war und oft eher merkwürdig anatomisch anmutete
verkommt hier zu einem langweiligen Abklatsch von „Fifty Shades of
Grey“. Es dominiert nicht mehr Christian, es dominiert das Gähnen.
Sämtliche Liebesszenen, seien es Sexszenen, die unendlichen
Liebesschwüre oder die nie abbrechen wollenden Beobachtungen von
Anastasia, wie wundertoll ihr Christian doch ist, folgen inhaltlich
immer der gleichen Struktur und nerven durch diese endlosen
Wiederholungen. Das kann ja heiter werden für Teil drei.
Da die
inneren Dämonen Greys, die immer noch interessanteste Storyline,
inzwischen halbwegs unter Kontrolle sind, muss unser Pärchen ganz à
la Möchtegern-„Romeo und Julia“ jetzt Widrigkeiten von außen
überstehen. Die mehreren Episoden – die Ex, die sie verfolgt, der
zudringliche Chef, Christians Unfall – sind nicht von einem roten
Faden durchzogen, sondern aneinandergereiht, ohne dass man später
den Einfluß von dem vorangegangenen Vorfall erleben würde. Hier
merkt man mehr denn je, dass die Trilogie ursprünglich als
Fanfiction ausgelegt war. Die wenigen dramaturgischen Höhepunkte,
die es gibt, wie zum Beispiel die Konfrontation zwischen Christian
und seiner Mutter gegen Ende des Romans, werden gerne übergangen, so
wird man in diesem Fall der Konfrontation nicht Zeuge der Szene,
sondern muss sie sich vorstellen. Und die eben erwähnten
„spannungsgeladenen“ Handlungsstränge wirken konstruiert und
stümperisch. Das geht schon ganz zu Beginn los. Wenn ich vor wenigen
Tagen meinen Freund verlassen habe und darunter leide wie Anastasia
es zu tun scheint, dann fliege ich nicht mit ihm in seinem Helikopter
durch die Gegend, egal, wie weit Seattle und Portland voneinander
entfernt sein mögen. Hätte es nicht eine subtilere Art gegeben, die
beiden wieder zusammenzuführen?
Die Episode
um den widerlichen Chef Anastasias, der sie in Bedrängnis bringt,
ist die mit Abstand beste. Sie ist am realistischsten und endlich ist
Ana mal die Überlegene, die sich selbst helfen kann. Die Handlung um
Christians Stalker-Ex hingegen ist in keinster Weise spannend, die
Auflösung selbst umso dämlicher und auch bei Christians Unfall
schafft es E.L. James nicht, Empathie für die angstvolle Familie zu
erwecken.
Vor allem
jedoch das Gerede von Heirat, Kinder kriegen, Haus kaufen nach so
kurzer Zeit wirkt absolut deplatziert. Kann man nicht die „wahre
Liebe“ gefunden haben, ohne nach einem Monat gleich heiraten zu
wollen? Inmitten dieser ach so anrüchigen Sexphantasien sind das
erstaunlich biedere und spießige Gedanken.
Fazit
Mit noch
mehr Wohlwollen und zugedrückten Augen als bei Teil eins vergebe ich
hier vier Punkte. Einerseits bin ich immer noch nicht abgeschreckt
genug und werde mir den dritten Band anschaffen – irgendwann.
Andererseits brauche ich für die Rezension eben diesen noch Platz
nach unten.
I'm drawn,
Icarus to his sun. I've been burned already, and yet here I am again.
Ursprünglich geschrieben für und veröffentlicht auf myFanbase.de
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