Mittwoch, 29. August 2012

Dienstag, 28. August 2012

Buster Pasta

Zeil 53, Konstablerwache
Keine Homepage
Mo - Do: 11:00 - 01:00
Fr&Sa: 11:00 - 04:00

Mitten auf der Konstablerwache verköstigt seit einigen Monaten Dolly Buster ihre Gäste - oder zumindest eine Kneipe, die ihren Namen trägt. Das System funktioniert wie folgt: Essen auswählen, an der Theke bestellen und direkt bezahlen, Getränk und Besteck mitnehmen, das Essen selbst wird gebracht - also wie in Vapiano oder Die Kuh, die lacht. Wer das allerdings nicht weiß (wie ich), der sitzt erst mal etwas doof in der Gegend rum, weil auf der Speisekarte nichts dergleichen vermerkt ist. Ich bestelle einen hausgemachten Pfirsicheistee (0,5 l für 2,90 €) und Penne a la Rucola mit Cocktailtomaten, Parmesan und Tomatensauce zu 5,90 €. Bei der Pasta könnte man wahlweise auch Bandnudeln oder Spaghetti nehmen. 
Der Eistee macht seinem Namen alle Ehre und ist randvoll mit Eis und mir persönlich einen Ticken zu süß, aber zum Glück nicht so extrem überzuckert wie zuvor befürchtet. Die Pasta wird so schnell geliefert, dass es fast schon wieder stutzig macht. Die Tomatensauce ist ziemlich fade, mehr Salz und vor allem Pfeffer und Gewürze hätten nicht geschadet, ein paar mehr Tomätchen und Käse hätte ich mir auch gewünscht. Dafür ist die Portion unglaublich groß. Wenn man mit der Erwartungshaltung rangeht, keine kulinarische Offenbarung zu erleben sondern einfach den Hunger zu stillen, ist man hier an der richtigen Adresse. Das Essen ist nicht schlecht, nur auch nichts besonderes. Großer Bonus: Die langen Öffnungszeiten!

Fazit: "Buster Pasta" ist perfekt für jemanden, der schnell eine Riesenportion Nudeln für wenig Geld essen möchte. Für exklusivere Geschmacksnoten sollte man woanders hingehen.




Quotes

Ich weiß nicht, was passieren muss, bis endlich was passiert.


Elfriede Jelinek - Ulrike Maria Stuart

Montag, 27. August 2012

La Strada - Photos


Ich habe die Erlaubnis bekommen, Photos aus dem Druckzentrum La Strada auf der Mainzer online stellen zu dürfen. Hier die Bilder, aufgenommen in der Bahnhofsviertelnacht:


Sauberes Besteck

Kleidung und Hygieneartikel

Dusche

Temporäre Aktion "Smoke it"

Druckraum



Durchreiche zur Theke


Café im Vorderraum

...mit Gesellschaftsspielen


Donnerstag, 23. August 2012

Freiluftausstellung "So lebte man damals das Nordend"

Am Merianplatz ist noch bis zum 09. September die kleine, aber recht sehenswerte Ausstellung von KuNo, kurz für "Kunst im Nordend", einer 2004 gegründeten Arbeitsgemeinschaft, die das Viertel beleben möchte, zu sehen. Dort sind in Glaskästen zahlreiche, alte Photos zu sehen, die teilweise auch Vergleiche anstellen: So sah der Ort in den 30ern aus, so in den 50ern und so heute... oder dergleichen. Meine Bilder sind nicht sonderlich gut, da sich Glasscheiben gepaart mit Sonneneinstrahlung auf Photos nicht so machen... einfach selbst hingehen!

Hier noch in paar gesammelte Informationen, die man auf der Ausstellung präsentiert bekommt:

- Die Bezeichnung "Nordend" ist seit ca. 1850 üblich
- Die meisten Gebäude entstanden nach der sogenannten "Gründerzeit" um die Jahrhundertwende
- Der ursprüngliche Grenzverlauf zwischen Nordend und Bornheim befand sich einst entlang der Friedberger, der (heutigen) Rothschild- und der Günthersburgallee, im Jahre 1972 wurden mit der Erschaffung der Ortsbeiräte die Grenzen aber neu definiert; wobei die Fläche zwischen Burg- und Arnsbergerstraße bis zum Bürgerhaus Bornheim zwar zum Viertel Nordend, aber zum Ortsbeirat Bornheim gehören
- Kommunalwahl 2011: Grüne: 42,5%, CDU: 22%, SPD: 16,5%, Linke: 6,4%
- 56.000 Einwohner
- teilweise höchste Bebauuungsdichte in ganz Europa
- Friedberger Landstraße als Trennungslinie zwischen Nordend-Ort (3-Zimmerwohnungen) und Nordend-West (4-5 Zimmerwohnungen)


Wer sich für KuNo engagieren möchte, kann sich bei dem Verantwortlichen Jörg Harraschain unter joerg@harraschain.de melden.








2x Friedberger Platz

Grenze


2x Café Größenwahn



Montag, 20. August 2012

8. Koblenzer Straßenfest

Vergangenen Samstag fand erneut das von SIKS, der Stadtteilinitiative Koblenzer Straße, organisierte Straßenfest im Gallus statt.
Als ich ankam, wurde gerade Bingo gespielt, für den späteren Abend war eine weitere Runde geplant sowie Livekonzerte und eine Fahrradversteigerung. Am Beginn der Straße boten einige Leute, hauptsächlich Anwohner, ihren Krimskrams auf einem improvisierten Flohmarkt feil, am Ende gab es für die Kiddies (oder die Lustigen) eine Hüpfburg und ein Planschbecken und auch kulinarisch wurde einiges - wie üblich auf linken Partys hauptsächlich vegan, aber auch mit seperatem Grillstand - für wenig Geld angeboten. Das hatte zur Folge, dass man bei den frisch gemachten Waffeln etwas länger warten musste. Originell war die Malaktion mit dem Motto "Kunst kann jeder": ein großes Plakat, das in verschiedene, nummerierte Quadrate aufgeteilt wurde, konnte von Freiwilligen bemalt werden, die dazu am Weinstand Zetteln mit Nummern ziehen mussten.
Ich war leider nur kurz da; aber die Atmosphäre war wirklich angenehm und das Fest gut besucht. Abends fand dann die After-Veranstaltung im Tanzhaus statt.











Lernbedingungen am Campus Bockenheim

Heute im AfE-Turm:

Gegen 12:10 gab es einen Kurzschluß, der den Strom in fast den ganzen Turm lahmlegte, keine zehn Minuten später ging dann eine Sirene los, die an Fliegeralarm erinnerte und von Band wurden wir in ganzen drei Sprachen (man präsentiert sich ja gerne international) gebeten, über die Notausgänge ins Freie, wo einige Feuerwehrwagen angefahren kamen, zu flüchten. Während nach kurzer Zeit die ersten schon wieder hochfuhren, wurden die anderen darüber informiert, dass ein Wasserschaden die Rauchmelder außer Gefecht gesetzt hätte, man aber unter der Bedingung, nur die rechten Aufzüge zu benutzen, wieder zurück dürfe - der Hausmeister würde Patrouille laufen. Witzlos wurde die Angelegenheit, als sich das ganze Prozedere um 14:00 Uhr wiederholte. Da rafft man sich einmal auf, um gepflegt zu lernen und wird von höheren Mächten daran gehindert. Auch wenn mir die meisten Studenten der Fachbereiche 3 und 4 nicht zustimmen würden: reisst das Scheißding endlich ab!




(Beim zweiten Mal schon mit deutlich weniger Studenten und ohne Feuerwehr - langweilig!)

Freitag, 17. August 2012

Portrait: La Strada

Das La Strada in der Mainzer Landstraße 93 ist ein Zentrum für Drogenhilfe und AIDS-Prävention mit Druckraum. Im Rahmen der Bahnhofsviertelnacht konnten Interessierte La Strada besuchen und sich informieren. Mehrere freundliche Mitarbeiter erklärten ausführlich, wie der Alltag in dem Drogenzentrum aussieht und beantworteten alle Fragen.

La Strada gibt es ist 1990 und ist die Nachgängereinrichtung des Café Ruhdolf, das zwei Straßen weiter war. Insgesamt arbeiten 40 Leute hier in Tag- und Nachtdiensten, die sich aus studentischen Hilfsarbeitern, die um die 80 Stunden im Monat in La Strada sind, Ärzten, Sozialarbeitern und -pädadogen auseinandersetzen. Ehrenämtler arbeiten nicht mehr dort. Die Studenten sind gewöhnlich aus den Fachbereichen Soziales, Pädagogik und ähnlichem, aber nicht zwangsläufig. Ein Medienwissenschaftenstudent beispielsweise inszenierte im Vorjahr während der Bahnhofsviertelnacht eine Theatervorstellung im Vorraum.
Drogensüchtige bekommen im La Strada einen sicheren Raum und sauberes Besteck gestellt, um das Risiko einer HIV-Infizierung zu vermindern und den Konsum zu entkriminalisieren. Im Falle einer Überdosis kann sofort erste Hilfe geleistet werden. Dazu sitzt eine studentische Hilfskraft im Druckraum und überwacht den Konsum. Außerdem kann man sich kleinere Wunden behandeln lassen. Menschen, die stationär behandelt werden möchten in Entgiftungskliniken oder ähnlichen Einrichtungen, können sich an die Mitarbeiter wenden und werden dann beraten und vermittelt. Obdachlose dürfen sich ein Postfach einrichten, um Herr der Bürokratie zu sein. Die Entgiftung ist aber keine Bedingung für die Benutzung des Druckraums, sondern jedem als Entscheidung selbst überlassen. Es mag vorkommen, dass einer der Mitarbeiter den regelmäßigen Besuchern, wenn sich der Zustand offensichtlich innerhalb kürzester Zeit radikal verschlechtert, nochmal an das Angebot erinnert, generell ist das aber freiwillig und muss von den Süchtigen selbst aus kommen.
Die Besucherzahlen sind abhängig von vielen Faktoren und schwanken stark. Zu Monatsbeginn, da die Klienten mehr Geld haben, ist höherer Verkehr sowie in den kälteren Monaten. Die Benutzer pendeln zwischen den verschiedenen Druckräumen. Wenn zum Beispiel ein Sozialarbeiter mehr Grenzen setzt als der andere kann es sein, dass La Strada von dem Betroffenen für eine Zeit lang gemieden wird. Es gibt aber einen festen Kern an Menschen, die oft kommen, die die Einrichtung als eine Art Ersatzfamilie und Zuhause sehen. Oft gibt es aber auch Besuch von außerhalb. Aus Bayern kommen öfter Abhängige, die Spritzen tauschen. Beim Erstbesuch in La Strada bekommt man vier Utensilien: zwei Rückteile und zwei Nadeln, bei jedem weiteren Besuch müssen benutzte Nadeln mitgebracht werden, um sie gegen saubere zu tauschen. Generell ist der Besuch aber eher rückläufig. Während früher in Hochzeiten um die 180 Klienten am Tag kamen, sind es heute eher 60-80 bis maximal 120-130. Gut besucht sind immmer die Notschalfstellen, die ab 20:00 Uhr geöffnet sind. Es gibt insgesamt 23 Plätze; 14 für Männer und 9 für Frauen.
Die Finanzierung der Einrichtung obliegt zu einem Drittel dem Land Hessen und zu zwei Dritteln der Stadt Frankfurt. Die Stadt Frankfurt unterstützt weitere Druckräume und Beratungseinrichtungen wie etwa das bekannte Eastside im Osthafen, das die größte Einrichtung dieser Art in ganz Europa ist.
Im La Strada gibt es keine Security. Es stand zwar mal zur Diskussion, wurde aber schnell wieder verworfen, da die Anwesenheit eines Securitys einerseits abschreckend wirken, andererseits sogar Aggressionen schüren könnte. Wenn es zu einem eskalierenden Konflikt auf der Straße kommt, wird die Polizei gerufen, im Café des La Strada selbst sind es die Mitarbeiter, die gefährliche Situationen entschärfen. In einer Schicht sind mindestens fünf, besser sechs Menschen, die aus zwei Sozialarbeitern und vier Studenten bestehen. Einer der Studenten sitzt vor der Einrichtung, um die Leute zu begrüßen, Neuankömmlingen die Hausregeln - man darf keine Waffen offen tragen oder zücken, nicht dealen oder sich in irgendeiner Weise gewaltätig verhalten - und ähnliches erklären und Abhängigen, denen Hausverbot erteilt wurde, den Eintritt zu verhindern. Wenn Mütter mit Kindern die Einrichtung betreten, müssen die Mitarbeiter blitzschnell einschätzen, wie die Situation ist: Ist die Mutter stabil genug, um sich angemessen um das Kind zu kümmern? Sollte lieber das Sozialamt eingeschaltet werden, um die Sicherheit und das Leben des Kindes zu gewährleisten?
Während die Abhängigen in anderen Instituten dieser Art am Eingang ihren Ausweis abgeben müssen, ist es in La Strada nicht ungewöhnlich, dass man nur einen Spitznamen nennt. Auch Konsumenten, die über Jahre hinweg den Druckraum aufsuchen, müssen ihre wahre Identität nicht preisgeben. Es ist allerdings für die Statistik notwendig, sich zu registrieren und dabei wird angegeben, welche Art der Droge man vorhat, zu konsumieren. Im Falle einer Überdosis kann somit bessere Hilfe geleistet werden. Die meisten Klienten sind polytox, das heißt, sie konsumieren mehr als nur eine Droge. In Frankfurt ist die Qualität des Heroins sehr schlecht, eine Plombe enthält generell nur 4-8% reines Heroin und ist sonst gestreckt mit anderen Drogen, Medikamenten, Giften oder Dreck.

Wir gingen aus dem Vorraum mit Café, in dem man übrigens umsonst Brötchen erhält und für niedrige Centbeträge Käse, Wurst oder Getränke kaufen kann, in den Gang, der zum Druckraum führt. Vom Gang gehen zwei Toiletten und eine Dusche ab, in der Durchreiche bekommt man gratis das saubere Besteck gestellt. Das besteht aus einer frischen Spritze, einem Löffel, Filter und Alkoholtupfer. Die Nadeln sind in verschiedenen Größen erhältlich. Dies bedingt sich dadurch, dass die Venen je nach Dauer des Konsums schon unterschiedlich zerstört sind oder man an andere Körperteile als Arme geht. Die Filter dienen zur Desinfizierung, denn damit werden Giftstoffe aufgesaugt. Es gibt allerdings auch Drogenabhängige in spätem Stadium, die die Filter sammeln und ausdrücken, um einen weiteren Schuss zu bekommen. Dass das nicht ratsam ist, liegt auf der Hand.
Im La Strada darf man Drogen nur intravenös konsumieren. Es gab zwar temporär das Projekt "Smoke it", das versuchte, Konsumenten zum Rauchen des Heroins mit spezieller Alufolie zu bewegen, da das etwas weniger gefährlich ist. Der Effekt der Droge ist ein anderer, während der Rausch sich in den Blutbahnen augenblicklich ausbreitet, tritt die Wirkung beim Rauchen langsamer ein. Je nach Auswertung des Projektes wird möglicherweise ein weiterer Raum eingerichtet.
Die Dusche kann auch nach Belieben benutzt werden, dafür meldet man sich an und bekommt, wer nicht mitbringt, Handtuch und Shampoo oder auch Tampons und Rasierer, meistens übrigens Spenden, im Notfall gekauft von La Strada. Es gibt auch eine Klamottenkiste. Dieses Angebot wird gerade im Sommer oft genutzt, die Mitarbeiter machen den ein oder anderen Klienten aber auch darauf aufmerksam, dass sie sich wieder reinigen sollten, wenn der Gestank zu stark wird. Wer nicht darauf eingeht, wird des Cafés verwiesen, um die anderen nicht zu belästigen.

Neben dem Druckraum befindet sich das Beratungszimmer. Dort kann man wie oben erwähnt sich an Kliniken weiterleiten lassen oder es wird dem Konsumenten bei Bürokratieproblemen mit Anwälten beispielsweise geholfen. Viele nutzen das Zimmer auch für Angelegenheiten, die für den Otto Normalverbraucher leicht zu handeln wären, für die Besucher des La Strada aber unüberwindbare Hindernisse darstellen: es gibt Kriseninterventionen, wenn man zuviel Schwarzfahren offen hat, außerdem ist dort ein Telefon, um Kontakt zu Familienangehörigen zu halten.

Der Konsumraum ist weiß gekachelt und ungefähr zehn Quadratmeter groß, links und rechts befinden sich je drei kleine, metallene Tische mit Kerze, am anderen Ende ist ein weiterer Tisch. Dazu gibt es einen Vorhang, um sich, falls man an intimere Stellen muss, um zu konsumieren, ein bißchen Privatsphäre erhalten zu können. Auf der anderen Seite ist ein offenes Fenster zur Durchreiche/Theke, daneben ist der Stuhl für eine studententische Hilfskraft, der im Falle einer Überdosis intervenieren kann. Alle Mitarbeiter haben eine Ausbildung in Erster Hilfe mit Spezialisierung auf Überdosen. Der Konsum von Heroin führt zu Atemstillstand, es mag vorkommen, dass man den Konsumenten beatmen muss. In La Strada wird kein Gegenmittel für Heroin gelagert, das hat der Notarzt, der geschult darin sein muss, wie schnell oder langsam das Antidot gespritzt werden muss. Gewöhnlich sind Überdosen aber nicht, da die meisten Konsumenten genug Erfahrung mitbringen, um im Falle eines höheren Anteils an Heroin in der Plombe den Konsum rechtzeitig abzubrechen. An den Wänden befinden sich auch zahlreiche Spiegel, falls man eine Stelle am Körper, die man nicht so gut sehen kann wie beispielsweise die Brust, besser erreichen kann.
Die Klienten sind nicht nur der "klassische Junkie vom Bahnhof", sondern auch viele Menschen, die in feinem Anzug oder Blaumann in ihrer Mittagspause konsumieren. Reines Heroin ist nicht sonderlich schädlich und harmloser als Alkohol, es sind die vielen Zusatzstoffe, die den Körper zerstören. Das Gefährliche an Heroin ist nicht das Gift, sondern die hohe Abhängigkeitsgefahr. Deswegen sieht man den Bankern, die Heroin nehmen, den Konsum nicht so an, da sie bedingt durch die bessere finanzielle Situation an qualitativ viel hochwertigeren Stoff kommen.


Das war die Führung in La Strada. Vielen Dank an die Mitarbeiter, besonders den jungen Mann, für die ausführlichen Erklärungen und für die Arbeit, die geleistet wird!


Ich habe einige Photos gemacht; im Laufe der nächsten Woche wird mir Bescheid gegeben, ob ich diese veröffentlichen darf.

Bahnhofsviertelnacht 2012

Das Bahnhofsviertel ist im Moment Frankfurts Paradebeispiel für die inzwischen viel diskutierte Gentrifizierung. Dies liess sich an der fünften Auflage der Bahnhofsviertelnacht gestern, am 16. August, deutlich ablesen. Jedes Jahr strömen mehr und mehr Touristen und Frankfurter, die sich entweder nie in das Viertel trauten oder es inzwischen als "cool" erachten, zur Bahnhofsviertelnacht in das Quartier. Es war proppevoll und überall liefen Grüppchen mit Führungen durch die Straßen. Die Hipster und Künstler sammelten sich in großen Trauben vor den Szeneläden Plank, 25h Hotel/IMA und Walon & Rosetti.

Meine erste Station war das Doña Carmen in der Elbestraße. Die boten verschiedene Veranstaltungen an, für die man sich ab 19:00 Uhr anmelden konnte. Die definitiv interessanteste darunter war eine Führung durch zwei Bordelle, das Crazy Sexy und Eros Center. Leider war ich nicht die einzige, die so dachte. Als ich kurz nach halb sieben ankam, war die Schlange schon einen halben Block lang bis auf die Taunusstraße. Den Gesprächen um mich herum konnte ich entnehmen, dass die Anfrage auf den Tabledance-Schnupperkurs im Pure Platinum höher war. Trotzdem wurde um 19:15 verkündet, dass auch die Laufhausführung voll war. Schade! Gerüchteweise standen die ersten schon seit 17:00 in der Schlange. Vormerken für nächstes Jahr!
Also beeilte ich mich, in die Kaiserstraße zur Freimaurerloge zu gehen, in der Hoffnung, zumindest für die 21:30-Führung gäbe es noch Karten. Dem war natürlich nicht so. Trotzdem, was man generell von dem Gebäude im Hinterhof sehen konnte, war sehr imposant.
Danach gab ich Veranstaltungen mit festen Zeitrahmen auf und ging in das Drogenberatungszentrum La Strada in der Mainzer Landstraße. Darüber folgt ein ausführlicher Artikel, das war nämlich richtig klasse!
Auch die Moschee Merkez in der Moselstraße konnten Besucher aufsuchen. Sie befindet sich in einem Hinterhaus im ersten Stock, in den eine schön verziertes Mosaiktreppenhaus führt. Im Vorraum war ein großes, ungefähr 1,80 hohes Regal für die Schuhe. Wir wurden darum gebeten, die Schuhe noch im Treppenhaus vor dem Vorraum auszuziehen. Der Gebetsraum selbst war ein sehr länglicher, mit Teppich ausgelegter, absolut heißer Saal. Ein junger Türke erklärte gerade die fünf Säulen des Korans und ihre Bedeutung. Kurz nach meiner Ankunft mussten alle aber wieder raus, da wir uns am Ende des Ramadans befinden und das regelmäßige Gebet näher rückte.
Gegen spätere Stunde fand das eigentliche Fest bei gutem Wetter auf der Straße statt. Viele Bars und Restaurants und auch das Cream, Frankfurts ältestes Musikfachgeschäft, boten Livemusik an. Das Cream hatte zu beiden Seiten seines Eingangs kleine Bühnen aufgebaut und die Zuhörer versorgten sich mit Bier aus den umliegenden Kiosks. Bald schon war es eine echte Glückssache, ob man noch ein kaltes bekam. Um halb 12 Uhr nachts kreischte eine nicht mehr ganz junge Frau aus dem Publikum ins Mikro "Schatziiii! Ich liebe dich seit acht Jahren und kann mir ein Leben nicht mehr ohne dich vorstellen!" und machte ihrem "Schatzi" dann einen Heiratsantrag. Schatzi kam gezwungenermaßen auf die Bühne und unter dem Jubel der Umstehenden und den Klängen zu "You are so beautiful to me" der Band verlobten sich die beiden. 
Noch kurioser ging es vor dem Café Luna in der Niddastraße zu. Eine Wannabe-Courtney Love in furchtbarer Leggins sang bekannte Rocksongs und sprang und wälzte sich zwischen zerbrechenden Bierflaschen auf einem Tisch, als würde sie gerade einen Exorzismus betreiben, während die Männer grölten und sie mit Bier bespritzten.

Das war die Bahnhofsviertelnacht 2012. Heute und morgen findet das bisher immer enttäuschende Kaiserstraßenfest statt.