Freitag, 30. November 2012

Wastend - Was war da jetzt los?

Man mag über Facebook lästern soviel man will - wenn man es geschickt nutzt, ist es in Kombination mit Twitter das perfekte Medium, um wichtige News an viele Menschen so schnell wie möglich zu verbreiten. So erfuhr ich dort, dass das Haus in der Schumannstraße 2 (im "Wastend") heute nachmittag von (laut FR) ungefähr 150 Demonstranten, hauptsächlich Studenten, spontan besetzt wurde, um gegen die Wohnungsnot und den Mietwucher in der Stadt zu protestieren. Ich selbst fand mich gegen 19:30 dort ein. Vor Ort waren ungefähr fünfzig Polizisten, die nur Anwohner in die Straße liessen und über dreissig Polizeiautos parkten die Friedrich-Ebert-Anlage entlang. Auf unsere Anfrage, wie lange die Polizisten denn vor Ort bleiben würden, hieß es, "bis sich die Lage beruhigt hat". Schmunzeln meinerseits. Ruhiger hätte es nicht sein können; ein paar bunte Luftballons verzierten friedlich das Haus.
Da Twitter darüber informierte, dass sich eine Spontandemo gebildet habe, die sich im Moment in Höhe Hauptbahnhof befände, gingen wir weiter. Augenscheinlich hatte die Polizei alle Ein- und Ausgänge bis auf einen verriegelt. Die Reisenden waren sicherlich begeistert davon. Man muss die Stadt ja vor den "Chaoten" beschützen, ne?
Gegen acht Uhr abends waren wir am Kaisersack. Vielleicht hundert Demonstranten, größtenteils wohl die eigentlichen Besetzer, die freiwillig gegangen waren, zogen, umzingelt von einer extrem hohen Anzahl von Polizisten mit Helmen auf dem Kopf, gen Willy-Brandt-Platz. Alles verlief friedlich, die Demonstranten skandierten ihre Parolen, die Polizisten folgten ihnen auf Fuß, liefen vor ihnen her und filmten munter alles und außerhalb des Kessels befanden sich weitere Demonstranten, Schaulustige und Photographen, die das Spektakel miterlebten. Um 20:20 war der Zug am Willy-Brandt-Platz, wurde dahinter auf der Kreuzung Kaiserstraße/Neue Mainzer sehr zur Freude der Autofahrer von der Polizei temporär gestoppt, und ging dann langsam weiter Richtung Hauptwache. Kurz davor eskalierte die Situation zum ersten Mal als Polizisten, die vorweg liefen, und Demonstranten aus der ersten Reihe sich in die Haare bekamen. Alles blieb aber immer noch relativ harmlos. Passanten und Sympathisanten von außen stürtzten sofort herbei, um im Falle des Falles das Fehlverhalten einzelner Polizeibeamter zu filmen. Ich wurde direkt in höchst unfreundlichem Ton von einem der Herren in Blau angepflaumt: "Was ist mit euch? Wieso seid ihr nicht in der Mitte?" (man beachte die informelle Anrede, die ich mir von einem Polizisten verbitte). Ich pflaumte zurück, dass ich hier einfach stände (wer will mir dieses Recht nehmen) und die Sache war gegessen, da keiner von uns Lust auf sinnlose Auseinandersetzungen hatte.
An der Hauptwache angekommen - gegen 20:50 - herrschte erstmal Uneinigkeit darüber, wie verfahren werden sollte. Die Demonstranten wollten über den Weihnachtsmarkt ziehen, um soviel Publikum wie möglich zu haben, die Polizei liess das logischerweise nicht zu. Ich muss zugeben, sie blieb erstaunlich geduldig und forderte via Megaphon die Demonstranten mehrfach auf, sich für ein Ziel zu entscheiden. Da nichts geschah, beschloss die Polizei irgendwann, die Demo über die Alte Oper fortzusetzen. Doch sie kam nicht weit, die Demonstranten wollten nicht kooperieren und die Demo wurde aufgelöst. Gerüchte gingen schnell um, dass einzelne Personen verhaftet würden, deswegen blieben die meisten in Grüppchen zusammen an der Hauptwache stehen. Plötzlich eskalierte zwei Mal kurz hintereinander die Situation und Polizisten gerieten mit Demonstranten zusammen. Ich selbst habe nicht genau mitbekommen, was passiert ist, andere meinten, dass ein Polizist ein Mädchen geschubst hätte. Ich selbst sah nur Aggressionen von beiden Seiten, mehr aber von den Polizisten, bei denen der Griff zum Knüppel schon Automatismus ist. Als wir kurze Zeit später uns entschieden, zu gehen, merkten wir, dass der Haupteingang der Hauptwache mit Gittern verschlossen war. Also gingen wir durch einen Nebeneingang runter. In der B-Ebene vor Pizza Hut/KFC gab es aber kein Durchkommen. Zahlreiche Polizisten kesselten Demonstranten ein. Durch die Fast Food-Einrichtungen schlichen wir uns doch durch. Die Demonstranten hatten von vielen Schaulustigen Verstärkung bekommen, hauptsächlich typischen Hauptwachekids, die sich über ein bißchen Abwechslung freuten und prinzipiell gegen Bullen sind. Mein Freund erzählte, dass der Pizza Hut-Verkäufer zu ihm gesagt habe, dass jemand in der Küche sei. Die Sanitäterin neben uns bestätigte die Geschichte. Es sei eine Person zusammen geknüppelt und in die Küche gezogen worden und nichtmal die Sanitäter wurden zu ihr gelassen. Hammerhart!
In der B-Ebene selbst blieb die Angelegenheit bis auf ein, zwei kleine Reibereien glücklicherweise friedlich. Nach einiger Zeit bekamen die Polizisten wohl den Befehl auf Rückzug (oder wer weiß, am Ende war es ihnen selbst peinlich, ihr Verhalten) und die Menge, die nur noch aus wenigen der Ursprungsdemonstranten bestand, verstreute sich gegen 21:30.
Weiß jemand, was aus dem Verletzten aus der Pizza Hut-Küche geworden ist?

Das war Wastend. Ich hör jetzt "Graceland" von Paul Simon, hab schon die ganze Zeit einen Ohrwurm davon.

PS: "Eure Kinder kaufen bei uns Gras!" hihi (und wie ich aus erster Hand erfahren habe, ihr auch)

Vor der Schumannstraße (im Hintergrund sind noch viel mehr Polizisten)

Die ganze Friedrich-Ebert-Anlage war voller Sixpacks. Da kommen fast sentimentale Blockupy-Gefühle hoch, hrrrhrrr.

Bunte Luftballons. Was muss sich denn da bitte noch "beruhigen"?

Kaisersack

Wo wir wieder beim Thema Unverhältnismäßigkeit wären. Aber das kennen wir ja schon



Friedliche Demo

An der Hauptwache


Hunger?


Zwei Fronten. Auch schön: der Schlagstock rechts unten im Bild




Beliebteste Posts im November

354








64








62








56








51








32








29








01.10.2012
25








22








17.11.2012, 2 Kommentare
19




Quotes

Then it comes to be that the soothing light at the end of your tunnel
Is just a freight train coming your way.

Metallica - No Leaf Clover

Donnerstag, 29. November 2012

Köln - Dom

Keine Erklärungen nötig, vermute ich.
Frage mich allerdings, wer so bescheuert ist, den Hauptbahnhof so nahe am Dom zu bauen, dass man beim Aussteigen aus dem Zug quasi mit der Nase draufstößt. Da hat einer echt mitgedacht.


Dienstag, 27. November 2012

Pizza Petro

Paradiesgasse 38, Alt-Sachs

Neben Köylü ist Pizza Petro der absolute Klassiker auf der Fressmeile Sachsenhausens. Die kleine Stehpizzeria ist vielleicht nicht DIE beste aber eine der besten in ganz Dribbdebach. Die Pizzen sind zwar etwas klein, dafür aber wirklich lecker und kommen direkt aus dem Holzofen. Zu Stoßzeiten, also um 3 Uhr nachts, muss man schon ein bißchen warten, dafür hat man draußen aber genügend Sitzgelegenheiten und trifft immer alle beim Feiern verloren geglaubten wieder. Ich kann keine der Pizzen speziell herausheben, egal ob mit Champignons, Sucuk, Schinken... alle schmecken sie super! Ein besonderer Liebling von uns ist die Pizza mit Tomaten, Ruccola und Käse für 6,00 €, aber es sind wirklich alle empfehlenswert. Bösen Stimmen zum Trotze ist Pizza Petro auch in nüchternem Zustand gut.




Sonntag, 25. November 2012

Das must-have für Partys im Gallus...

...ist offensichtlich ein Pferd. In der Guten Stute steht, wie bekannt, ein echtes (also ausgestopftes) Exemplar. Auf der gestrigen Party im Club Enzo/Atelier Frankfurt tummelte sich ein lebensgroßes Plastikpferd, das von der Meute öfters durch den ganzen Raum geschleppt und beritten wurde. Warum auch nicht, ne?


Tag der offenen Tür bei Radio X

Am gestrigen Samstag öffnete das Radio X-Studio wie jedes Jahr seine Pforten für alle Interessierten.  Von 12:00 bis 20:00 konnten sich die Frankfurter umschauen, die Technik erklären lassen, Sendungmacher befragen und von den vielen Kuchen, die gebracht wurden, kosten. Ich selbst war aus Zeitgründen nicht allzu lange da, erfuhr aber immerhin, dass ungefähr 500 Leute an den insgesamt 90 Redaktione beteiligt sind und hatte Zeit, mit verschiedenen Kollegen zu quatschen. Als ich am späten Nachmittag ging, hatten sich die Räumlichkeiten ziemlich gefüllt. Bis nächstes Jahr!


Etwas unfestliche Begrüßung




Radiokuchen von Lisa, an den sich keiner traute


Der Getränkeautomat wird aufgefüllt...


Am späten Nachmittag ist es ziemlich voll geworden