Sonntag, 17. Februar 2013

16-F in Barcelona

Also in Barcelona ist das momentan so: du willst nur einkaufen gehen und findest dich mitten in einer riesigen Demo wieder. Alltäglichkeiten halt.


Die Oma, die mit ihren Topfdeckeln die Demo vom Balkon aus unterstützte, bekam viel Beifall


Mit vereinten Kräften

Mordor


Bis das Auge reicht

STOP





Gernika

Ruina.


Von meinem Fenster aus

 Am nächsten Tag

Sonntag, 3. Februar 2013

2-F: Demo vor dem Sitz der PP in Barcelona

...und während Mariano Rajoy (PP - Partido Popular) heute öffentlich verkündete, dass er nie Schwarzgeld angenommen habe, gingen die Proteste gegen ihn und korrupte Politiker ungebrochen weiter. Wie gestern abgemacht traf man sich abends am Plaça Catalunya, um gemeinsam zum offiziellen Sitz der PP in Barcelona in der Straße Comte d'Urgell zu gehen. Da ich nicht weit von der Niederlassung entfernt wohne, ging ich direkt dort hin. Um 19:00 wartete da schon ein großer Pulk an Menschen, der rapide anwuchs. Kurz nach sieben wurde unter "Dimissió!"-Rufen der Bürgersteig verlassen und die Straße eingenommen. Es war eine kleine Abriegelung errichtet worden und drei Busse der katalanischen Polizei Mossos d'Esquadra samt Beamter standen davor, aber erneut war die ungewöhnliche Abwesenheit an Polizeipräsenz auffallend.
Als kurz vor halb acht die Demo vom Catalunya ankam, wurde sie mit lauten Applaus empfangen. Die Straße war so voll, dass man mittendrin nicht mehr überblicken konnte, wieviele tausend Menschen sich versammelt hatten. Wie schon am Vortag waren die Schlachtrufe nicht von schlechten Eltern ("Rajoy ist tot - Franco ist zurück", "Die ganze Regierung ins Gefängnis!", "Ihr seid die Kriminellen!", "Hände hoch, das ist ein Überfall!", "Die Faschisten sind die Terroristen!" etc.), aber trotzdem war die Stimmung gut und glich eher einer großen Feier. Um acht Uhr abends flogen einige Eier gegen das Gebäude der PP, aber auch da blieben die Mossos ruhig. Kurze Zeit später gab es dann doch Aufruhr, als jemand aus dem Haus geleitet wurde. Die Demonstranten wurden laut und noch mehr Eier flogen. Da ich in der Mitte und nicht ganz vorne war, konnte ich nicht erkennen, was dann geschah, aber plötzlich rannten alle aus den vorderen Rängen nach hinten. Die Mosses hatten inzwischen ihre Helme aufgesetzt und die Stimmung war plötzlich aufgeheizter und aggressiver. Es blieb dennoch bei diesem Zwischenfall. Gegen 20:30 hatten sich bei kühleren Temperaturen als am Freitag die Reihen deutlich gelichtet und die verbliebenen Demonstranten, immer noch mehrere hundert, beschlossen, gemeinsam zum Plaça Catalunya zurückzulaufen. Ungeachtet des Verkehrs liefen wir die Straße Paris entlang, während die Autos uns im Gänsemarsch folgen mussten oder in die Seitenstraßen auswichen. Die Motorräder hatten mehr Glück und wechselten einfach auf den Bürgersteig. Immer noch den Verkehr ignorierend hielten wir in der Straße Balmes um zu entscheiden, welche Richtung man einschlagen sollte. Die große Mehrheit wie ich waren dafür, über die Avinguda Diagonal und den Passeig de Gràcia zu laufen, da beide zu den größten und wichtigsten Straßen der Stadt gehören. Und so liefen wir die beiden Alleen entlang und blockierten bis zu sechsspurige Bahnen. Die meisten Autofahrer hupten uns übrigens begeistert Beifall und die Mossos erstaunten mich erneut dadurch, dass sie den Verkehr regelten und die Wagen in den Seitenstraßen anhielten, bis der Zug vorbeigelaufen waren. 
Den Platz erreichten wir endlich um 21:20 und kurz darauf gab es erneut eine Asamblea mit 100-150 Teilnehmern. Es wurden mehrere Punkte angesprochen, ob man wieder campen sollte und wenn ja, wo ("Sant Jaume, da ist der Knotenpunkt der Macht!" - "Aber morgen ist Sonntag, da ist doch eh keiner"), welche weiteren Aktionen man machen sollte, lieber viele oder eine mit viel Aussagekraft, welche Politiker zu stoppen seien ("Nicht nur die PP! Die CiU sind genauso schlimm!"), welche Ziele man habe, wie generell weiter vorzugehen war. Als sich nach einer dreiviertel Stunde darauf geeinigt wurde, dass man sich am Folgetag um 20:00 am Catalunya und am Montag um 20:00 am Plaça Sant Jaume treffen wolle, war ich halb erfroren froh, heimgehen zu können. Morgen geht's weiter.


Beginn der Demo: vom Bürgersteig geht's direkt zum Sitz der PP

Der Demozug stößt auf die Demonstranten vor dem Gebäude und wird mit Applaus empfangen

Und gemeinsam noch lauter: "Dimissió!"

...und wir hüpfen, hüpfen, hüpfen!


Vor dem Sitz der PP


Zu Beginn wurden mehrere Protestschilder verteilt



Mariano, bis zum Sommer hältst du nicht durch




 Bildung, Rente, Gesundheit


Hier muss sauber gemacht werden

Konfetti

Mossos mit Helm

Eher lachhafte Absperrung

Zwei weitere Polizeiwagen haben sich mit respektvollem Abstand genähert

Avinguda Diagonal: Die Straßen einnehmen



...und andere Verkehrsteilnehmer wie die Insassen des Busses informieren

Passeig de Gràcia

Die Polizei riegelt brav ab

Am Catalunya



Das waren allerdings die einzigen Zelte




Asamblea




Freitag, 1. Februar 2013

1-F/Occupy Catalunya: Demonstration in Barcelona

Die Krise in ganz Spanien geht weiter... die sonst nicht gerade als demonstrationsfreudig bekannten Spanier (und ich zähle ausnahmsweise mal die Katalanen zu den Spaniern) haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie auch anders können. 
Bei lauem, frühlingshaften Wetter gab es heute vor allem in Zusammenhang mit der Schwarzgeldaffäre um Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP - Partido Popular, rechts-konservative Partei, die in Spanien an der Macht ist) erneut eine Großdemonstration. Treffpunkt war um 19:00 am Plaça Catalunya, dem zentralsten Platz in Barcelona. Kurz vor halb acht ging es los, die Truppe marschierte die Hälfte der Ramblas hinunter und dann die Straße Ferran entlang zum Plaça Sant Jaume, wo sich sowohl das barcelonesische Rathaus als auch die Generalitat, der Sitz der katalanischen Regierung, befinden. Es waren erstaunlich viele Menschen aller Alterklassen zusammengekommen, die skandierten, man solle die PP illegalisieren, dass sie sich nicht von ihnen repräsentiert fühlen und dergleichen. Mehrere wedelten mit leeren Briefumschlägen, um somit den Mangel an Gehältern zu symbolisieren. Die ganze Straße Ferran, die nicht gerade kurz ist, war voller Demonstranten, die laut "Dimissió!", Abdankung auf Katalanisch, schrien. Auch der Plaça Sant Jaume, der gegen 20:00 erreicht wurde, füllte sich im Nu. Und zimperlich war keiner: neben den üblichen Sprüchen wurde auch "Guillotine!" und "Krieg!" gerufen. Was mir im Gegensatz zu Blockupy-, Occupy- und Studentendemonstrationen in Deutschland auffiel, war die absolute Abwesenheit von Polizeikräften. Während der Zorn der Demonstranten viel größer war, als ich es sonst kenne, war weder Guardia Civil noch die Mossos d'Esquadra, die katalanische Polizei, zu sehen. Nur vor der Generalitat - die Wut richtete sich nicht gegen das Rathaus - waren ein paar Polizisten zu sehen. Nicht nur Rajoy war Zielscheibe der Massen, auch Artur Mas, Generalsekretät der katalanischen Partei CDC und Präsident der Generalitat, wurde zur Abdankung aufgefordert. 
Gegen halb neun setzte man sich dann zur Asamblea, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Nach wie vor war fast der ganze Plaça Sant Jaume voller Menschen. Viele Redner hielten sich in ihren Beiträgen nicht zurück mit Beschimpfungen ("Ladrones", "Hijos de Puta", "Asesinos"), während die Organisatoren die Leute aufforderten, nicht sinnlos zu fluchen, sondern konstruktive Vorschläge für die Zukunft zu bringen. Es musste einiges besprochen werden: Sollte ein Platz okkupiert werden und wenn ja, welcher? Wie wäre die Logistik? Wäre die Okkupation nur für das Wochenende oder dauerhaft? Sollte es weitere Demonstrationen geben? Gar einen Generalstreik (ein Vorschlag, der mit viel Jubel quittiert wurde)? 
Die Asamblea selbst lief unglaublich friedlich ab, die Leute ließen einander ausreden und anders als auf den Demos in Frankfurt funktionierte die Zustimmung beziehungsweise Ablehnung von Aussagen durch Handzeichen statt Klatschen sehr gut. Ein einziger Typ, der mit seinem Megafon die ganze Zeit die Redebeiträge unterbrach, brachte die Emotionen zum Kochen, da er sich kaum stoppen ließ. Ansonsten wurde friedlich miteinander diskutiert und pros und contras der verschiedenen Pläne erörtert. Es meldeten sich ungefähr dreißig Leute die bereit waren, die Nacht auf einem der Plätze zu verbringen. Der Vorteil des Plaça Catalunyas besteht darin, dass es ein offener Platz ist, der Boden angenehmer zum liegen und die Wasserversorgung und ähnliches leichter zu handhaben ist. Der Plaça Sant Jaume hingegen ist ein geschlossener Platz, auf dem die Okkupierer schnell in der Hand der Polizei wären. Andererseits wurde bemerkt, dass sich rund um den Platz gleich drei Banken (La Caixa, Caixa Catalunya und Santander) befanden und dass es sich außerdem um das Machtzentrum Barcelonas handelt. Es wurde auch diskutiert, ob alle über die Wahl des Ortes abstimmen sollten oder nur die, die wirklich bereit waren, Zelte aufzubauen. Und man überlegte, welche Art der Arbeit diejenigen, die nach Hause gingen, verrichten könnten - hauptsächlich, sich vernetzen und andere informieren. Am Ende, kurz nach halb zehn, sahen die Beschlüsse aus wie folgt: Der Plaça Catalunya wird eingenommen, Arbeitsgruppen gebildet, eine Asamblea morgen um 11:00 wird über das weitere Vorgehen entscheiden und um 18:00 wird von Catalunya aus eine Demo zum Sitz der PP marschieren, die dort um 19:00 eintreffen soll.
Die Wut der Bürger ist ungebrochen. Morgen gibt es zeitgleich, also um 19:00, in Madrid und Málaga Demos gegen die PP. Wenn man den Aussagen Glauben schenken kann, haben die Okkupisten aus vergangenen Fehlern gelernt und wollen dieses Mal alles besser machen, um noch dauerhafter auszuharren. Dieses Wochenende soll es wieder schlechtes Wetter geben... aber trotzdem was das heute erst der Anfang.


Straße Ferran - Dimissió!
Ein voller Plaça Sant Jaume


Infos vor der Demo am Sant Jaume

...ohne Arbeit und ohne Haus

Ramblas

Vor der Generalitat






Alles voll

Dieser Umschlag ist leer - ich will, was mir gehört!

Es reicht!


Asamblea

Der Störenfried wird zurecht gewiesen (Schreie: "Er ist ein Mosso!!" [katalanische Polizei])

Zustimmende Handzeichen